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Den Job des Landarztes attraktiver machen

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15. Juni 2011

Mediziner und Politiker suchen gemeinsam Wege die medizinische Versorgung auf dem Land zu sichern


Gesundheit ist ein hohes Gut, oft bemerkt man das erst, wenn sie nicht mehr da ist”, bemerkte Dr. Friedrich Oehm zu Beginn einer Informationsveranstaltung zur Gesundheitspolitik, zu der der SPD Ortsverband Bad Königshofen eingeladen hatte. Vorsitzender Willi Göbel konnte als besonderen Gast die Landtagsabgeordnete Sabine Dittmar begrüßen, die in ihrem Referat „Solidarische Gesundheitspolitik statt schrittweiser Privatisierung“ die Bedeutung eines gut funktionierenden Gesundheitssystems angesichts der zunehmenden Morbidität der Bevölkerung, des demographischen Wandels und des prognostizierten Ärztemangels auf dem Lande darstellte. Zuvor hatte Sabine Dittmar in der Neumühle in Hollstadt die Klinik für Drogenabhängige der Saaletalklinik besucht.

Kurdirektor Werner Angermüller bedauerte in seinem Grußwort den Rückgang der ambulanten Kuren, die heute nur noch einen Bruchteil der früheren Zahlen ausmachen. Er sprach insbesondere die Mutter-Kind-Kuren an, die später in der Diskussion noch einmal zur Sprache kamen. Hier besteht ein gesetzlicher Anspruch der kranken und erholungsbedürftigen Mütter, aber in der Praxis werden die Anträge – so scheint es – grundsätzlich erst einmal abgelehnt. Wie Sabine Dittmar bestätigte, gibt es bereits eine Untersuchungskommission, um dieser Diskrepanz auf die Spur zu kommen.

Prävention und Reha ist die eine Seite, das Gesundheitswesen als einer der größten Arbeitgeber und die Badekuren als „Leuchttürme“ im Übernachtungsgeschäft im ländlichen Raum mit immerhin 30 Prozent Anteil an den Übernachtungszahlen sind die andere Seite, bestätigte Angermüller. Dittmar kennt als Ärztin in Maßbach die Praxisseite genau und berichtete kompetent und gut verständlich, warum man die Gesundheitspolitik den aktuellen Entwicklungen anpassen muss.

Der Bedarf an Ärzten ist gestiegen wegen der Neuregelung von Dienstzeiten, einer „Feminisierung“ (Ärztinnen arbeiten häufiger Teilzeit) sowie des zunehmenden Alters der Versicherten (alte Leute müssen öfters zum Arzt) und der Leistungserbringer. Schon 2009 waren 24 Prozent der Ärzte in Bayern älter als 59 Jahre, bis 2025 müssen rund 50 Prozent der Ärzte ausscheiden. Problem ist, dass immer weniger Medizinstudenten die Prüfung zum Facharzt für Allgemeinmedizin ablegen. Das Image des Hausarztberufs müsste wieder gesteigert werden, meinte Dittmar, von einer Landarztquote hält sie allerdings nicht. Von der Verpflichtung nach beendetem Studium aufs Land zu gehen kann man sich nämlich freikaufen.

Der Bedarfsplan, der momentan die echte Situation nicht widerspiegelt, müsste angepasst werden, forderte die Abgeordnete, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsste gesteigert werden, jungen Familien müssen infrastrukturelle Voraussetzungen geboten werden und das Hausarztmodell sollte nach den alten Bedingungen wieder eingeführt werden. Dadurch war der Unterschied zwischen Facharzt und Hausarzt bezüglich der Bezahlung vermindert worden.

Dittmar trug neben den Eckpunkten des Entwurfs der SPD zum Versorgungsgesetz auch das Modell „Bürgerversicherung“ vor, das erst als Konzept besteht und in einigen Passagen noch überarbeitet werden muss. „Wir bekommen das in den Griff, wenn wir den Mut haben etwas zu verändern“, sagte Dittmar abschließend. Neue und bewährte Wege könnte man gehen, die Ideen reichen vom Einsatz der Telemedizin bis zur „Gemeindeschwester“, die den Ärzten eine Reihe von Hausbesuchen abnehmen könnte. Pflegepersonal, das einen „echten Knochenjob“ leistet, sollte außerdem besser bezahlt werden, forderte Dittmar.

In der Diskussion regte Oehm Gemeinschaftspraxen auf dem Land an, die gemeinsam ein bestimmtes Gebiet abdecken. In den Dörfern könnten die Gemeinden Praxisräume zur Verfügung stellen, in die dann an jedem Tage ein anderer Facharzt Sprechstunde hält in regelmäßigem Wechsel. In Zukunft werde man es nicht mehr schaffen, in jedem zweiten Dorf einen Arzt zu haben. Weitere angesprochene Themen waren unnötige Ausgaben der Krankenkassen, Korruption, der hohe Verwaltungsaufwand in den Arztpraxen und die Forderung nach mehr Transparenz.


Datum: 17.06.2011, verfasst von: Regina Vossenkaul, Medium: Mainpost, Bad Königshofen



Über Konzepte und Ziele der SPD innerhalb einer solidarischen Gesundheitspolitik referierte Landtagsabgeordnete Sabine Dittmar in der FrankenTherme, die Diskussionen leitete Dr. Friedrich Oehm.

(Foto: Vossenkaul)

Zur Diskussion hatte der SPD-Ortsverein Bad Königshofen mit seinem Vorsitzenden Willi Göbel (2. v. r.) aufgerufen. Auch Kreis- und Stadträtin Angelika Wilimsky (links) und Stadträtin Erika Idriss (rechts) waren der Einladung gefolgt.

(Foto: Janis Heller)